Bernd Lucke, geboren 1962, ist ein Ökonom und Professor für Volkswirtschaft, lehrt Makroökonomie an der Universität Hamburg. Prof. Dr. Lucke promovierte in Berlin und war später wissenschaftlicher Referent beim „Sachverständigenrat zur Einführung der Sozialen Marktwirtschaft in der DDR“ und Gastprofessor in Vancouver, Bloomington und Berlin. Lucke leitete Forschungen zur Marktliberalisierung und Wachstumsintegration im Nahen Osten. Er gründete unter dem Eindruck der Schuldenkrise im Jahre 2010 das „Plenum der Ökonomen“, das sich ausschließlich zu volkswirtschaftlichen Ausnahmesituationen von herausragender nationaler Bedeutung äußert. „Einziges Ziel des Plenums ist es, die Öffentlichkeit und die demokratisch legitimierten Institutionen unseres Staates rechtzeitig und fundiert über die Einschätzung der diesem Staat dienenden Wissenschaftler zu informieren.“ 328 VWL-Professoren unterzeichneten den Aufruf (Stand Juni 2011) und wurden damit Plenumsmitglied; Lucke ist seit dessen Gründung Geschäftsführer des „Plenum der Ökonomen“. Das Plenum sprach sich im Februar 2011 mit sehr großer Mehrheit gegen eine Verlängerung des EU-Rettungsschirms aus. Bernd Lucke kandidiert für die Freien Wähler bei der Landtagswahl in Niedersachsen 2013. Er ist Gründungsmitglied der Wahlalternative 2013, die sich gegen die Rettung der Euro-Währung auf Kosten der Steuerzahler und auf Kosten demokratischer Werte einsetzt.

WA 2013 arbeitet an regionalen Strukturen

Die Unwillkommenen bei Politik und Medien

Im Gespräch mit Prof. Dr. Bernd Lucke, Gründungsmitglied der WA 2013

Herr Prof. Dr. Lucke, nicht wenige sehen in der Gründung der WA 2013, die ja in wenigen Monaten über 8.000 Unterstützer zählte, eine letzte Hoffnung für ein politisches Umdenken in der Europapolitik, vor allem in der Finanzfrage des Euro. Das ist ein weites und kompliziertes Feld. In Ihrem Gründungsaufruf haben Sie dies durchaus deutlich gemacht. Derzeit ist die WA2013 dabei, regionale Strukturen zu schaffen. Wie ist der Stand der Dinge, wo werden die Schwerpunkte gesetzt?

„Wir wollen uns die Option auf eine spätere Parteigründung offenhalten. Deshalb organisieren wir uns bereits jetzt parteiähnlich, indem wir in ganz Deutschland Landes- und Kreisverbände gründen. Das ist in vollem Gange. Wir schaffen dazu auch eine moderne IT-Infrastruktur, die es uns erlaubt, unkompliziert mit unseren Unterstützern zu kommunizieren, Diskussionen und Abstimmungen zu ermöglichen und Aktionen zu koordinieren.“

Ich weiß aus vielen Gesprächen, daß immer mehr Thüringer die Europolitik ablehnen. Wer sich damit beschäftigt weiß, daß spätestens seit dem ESM-Vertrag Demokratie, Freiheit und Souveränität in Gefahr geraten sind, ohne dies eingehender beleuchten zu wollen. Die WA2013 ist der Auffassung, daß das einheitliche Währungsgebiet sich nicht bewährt hat. Austritte aus der Währungsunion oder die Einführung von Parallelwährungen zur Flexibilisierung der Währungspolitik werden durchaus in Erwägung gezogen. Wie hoch schätzen Sie die Chancen ein, dies politisch mit den Freien Wählern umzusetzen?

„Wir wollen realistisch bleiben: Wir werden nicht an die Regierung kommen. Das ist auch gar nicht nötig. Wichtig ist, daß den alten Parteien die Wähler in Scharen weglaufen, weil sie unzufrieden sind. Dann wird es in diesen Parteien ein Umsteuern geben. Dann wird man eine andere Europolitik sehen, weil die Parteien ihre Wähler zurückbekommen wollen.“

Eine letzte Frage: Unser „Arnstädter Stadtecho“ ist eigentlich eine Heimatzeitschrift, dennoch berühren wir auch mitunter übergeordnete gesellschaftliche Problematiken. Worauf aber führen Sie es zurück, daß kaum jemand in den Printmedien über Ihre Initiative berichtet, zu der hochkarätige und bekannte Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft gehören?

„Na ja, über eine kleine Gruppe wird nicht berichtet und eine Gruppe, über die nicht berichtet wird, bleibt klein. Diesen Teufelskreis hoffen wir mit der Prominenz unserer Unterstützer durchbrechen zu können. Aber das ist ein mühsamer Prozeß, denn viele Medien stehen unter politischem Einfluß und den herrschenden Parteien sind wir nun mal unwillkommen. Und wenn dann Frau Merkel bei Friede Springe anruft, dann berichtet die Bildzeitung eben nicht. Da müssen wir eben auf Mund-zu-Mund-Propaganda setzen.“

Vielen Dank für das Gespräch

geführt von Hans-Joachim König

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